Kurztest Oasis M

der Firma GIN GLIDERS

Nachdem mich mein bisheriger Soloschirm unvermittelt abgeworfen, hat ist mein Vertrauen in das Abrißverhalten nachhaltig gestört. Zudem brauche ich nach einigen Tandemflügen jedesmal zu lange, bis ich mit den geringen Steuerkräften des Soloschirms wieder richtig umgehen kann. Ein neuer Schirm muß her. Gutmütiger soll er sein, deutliche Steuerkräfte haben, kleinere Streckenflüge sollen drin sein und Spaß soll er auch noch machen. Genau das behaupten ja derzeit alle Hersteller von ihren aktuellen 1-2er Schirme, also sollte doch da auch für mich was dabei sein. So habe ich diesen Winter schon einige Probeflüge mit aktuellen 1-2ern hinter mir und vom Oasis, der mir vom Flugverhalten besonders gut gefiel, möchte ich Euch hier meine Eindrücke schildern.

OASIS Am Boden fällt einem zuerst die, im Vergleich zu anderen 1-2ern, hohe Anzahl an Zellen auf, die ein optimaleres Profil ermöglichen sollen. Das war bis jetzt nur höherklassifizierten Geräten vorbehalten. Dabei ist jede dritte Rippe aufgehängt, die dazwischen liegenden Zellen werden von Diagonalrippen gehalten. Die ausgelegt Streckung von fünf ist eher moderat. Der Flügel ist mit einer projezierten Streckung von 4,1 wohl eher wenig gekrümmt, wenn man ihn z. B. mit dem Carbon vergleicht, der die gleiche projezierten Streckung hat, der aber ausgelegt auf eine Streckung von knapp 5,4 kommt.

Bodenhandling Die Leinen lassen sich leicht sortieren. Allerdings sind die Tragegurte etwas schlabberig und verwurschteln sich schnell mal, wenn man nicht aufpasst. Die A-Gurte sind nicht geteilt, sondern mit einer Ohrenanlegehilfe versehen, bei der die äußerste A-Leine mit einer Umlenkrolle nebst Handgriff nach unten gezogen werden kann. Eigentlich bin ich ein Freund von geteilten A-Gurten, weil damit beim rückwärts Aufziehen der Schirm immer mittig hochkommt, egal wie verwurschtelt man ihn vorher abgelegt hat. Mit einfachen A-Gurten kann es leichter passieren, daß nur die Flügelenden hochkommen. So ist es ratsam, den Schirm beim Bodenhandling in der Mitte zuerst zu füllen.mit doppelten A-Gurten passiert das nicht Dabei muß man mit den Bremsen oder den D-Gurten etwas nachhelfen. Auch beim Vorwärtsstart sollte man den Schirm zumindest einigermaßen bogenförmig hinlegen, sonst kann das selbe passieren. Das macht man ja sowieso, aber man braucht halt vielleicht doch mehr Sorgfalt als z. B. beim Arcus, den man ja sogar noch als Stoffknäuel starten kann.

Der Vorwärtsstart stellt einen dann vor keine Probleme. Rückenwind, Seitenwind, alles einfach. Nur das rutschige Tuch hat mich bei Rückenwind auf dem Schnee zur Verzweiflung getrieben. Eine 3/4 Stunde wiederholter, mühsamer Startvorbereitungen im Neuschnee und ein 5 Minuten Gleitflug stehen halt doch in keinem Verhältnis.

Nach dem Start verblüfft der Oasis durch einen sehr deutlich einsetzenden Steuerdruck. Man kann den Leerweg leicht fühlen, ohne an die Segelhinterkante zu blicken. So hat man von Anfang an über die Arme einen guten Kontakt zu dem Fluggerät. Man braucht wesentlich weniger Bremse für dieses, besonders bei unruhigen Bedingungen wichtige Feedback als z. B. beim Serak, den ich kurz davor geflogen habe. Der Flügel kann selbst dann als wendig gelten, wenn man bewußt gerade sitzen bleibt. Auf Gewichtsverlagerung spricht der Schirm sehr gut an, man kann ihn nur mit dem Gewichtseinsatz schnell sehr hoch aufschaukeln. So ist es nicht verwunderlich, daß man für normales Kreisen kaum Steuerweg braucht. Mit 20 cm Weg, kann man alles machen. Trotzdem sind die Steuerwege bis zum Sackflug ziemlich lang. Mit Gewicht und Bremse sind auch sehr flache Kurven leicht fliegbar. Sehr präzise fliegbar, trifft wohl am besten die Steuercharakteristik dieses Gleitsegels. Die Rolldämpfung würde ich als mittel einschätzen, wenn man sich nicht gerade wie einen Kartoffelsack rumschlenkern läßt. Die Nickdämpfung empfand ich eher als hoch. Obwohl der Schirm einer der wendigsten 1-2er ist, kann er leicht durch unruhige Luft dirigiert werden. Die Kappe liegt satt in der Luft und durch die eher hohen Steuerkräfte hat man einen vertrauensvollen Kontakt nach oben. Ich glaube, daß es leicht ist, mit diesem wendigen Schirm jede Art von Aufwind optimal zu nutzen. Das Sinken liegt bei Trimgeschwindigkeit zwischen 0,9 und 1,3 m/s. Was schließen wir daraus: Auch das neue GIN GLIDERS-Produkt sinkt bei Trimgeschwindigkeit. Von eingebauter Thermik keine Spur.

Tragegurte bei TrimgeschwindigkeitTragegurte beschleunigt Die Tragegurte des Oasis neigen, besonders beim beschleunigten Flug leicht zum Schwingen. Fast möchte man hinlangen, um das abzustellen. Beim Beschleunigen fällt auf, daß die A- und B-Gurte fast gleich weit verkürzt werden. Dadurch ändert sich der Anstellwinkel der Flügelnase kaum. Vielleicht hat das Auswirkungen auf die Stabilität und das Klappverhalten. Im Herbst und Winter habe ich keine Luftmasse gefunden, die nicht voll beschleunigt fliegbar gewesen wäre. So kann ich dazu kaum was sagen. Das Sinken war dabei um die 1,7 - 2,1 m/s, das sagt uns leider auch nichts, auf jeden Fall ist es nicht ungewöhnlich. Wie berichten da in so einem Fall die Gleitschirmmagazine: "Das beschleunigte Gleiten gehört im Klassenvergleich zu den besten und kann auch mit einigen höher klassifizierten Geräten mithalten." oder "Die Polare verläuft sehr flach, ohne bei der Höchstgeschwindigkeit einzubrechen."

Heute war ich in Westendorf und konnte mit dem Oasis 1 h Thermikfliegen. Man glaubt es kaum. Wolkenbasis bei 2100 m und Steigwerte bis 3m/s. Und das im Januar. Beim Thermikfliegen bestätigt sich das gute Drehverhalten des Oasis. Auch bei ungleichmäßigen Steigwerten läßt sich der Kurvenradius leicht korrigieren. Beim Ein- und Ausfliegen aus Steigbereichen bleibt der Schirm neutral über dem Piloten und erfordert wenig Korrekturen. Insgesamt ist es ein sehr ausgewogener Thermikflügel.



Zum Ohren anlegen gibt es eine Ohrenanlegehilfe. Diese besteht aus einem Handgriff, der mit Klettband am A-Gurt befestigt ist, einer Rolle, durch die die äußerste A-Leine läuft und einen Gummi, mit dem das Ganze nach Gebrauch wieder an die A-Gurt gezogen wird. Ich halte das für unpraktisch. Zum Einen hat es sich bei einem Start mal am Handschuh verheddert, zum Anderen muß man es nach Gebrauch wieder hinkletten, also an den Gurten rumfummeln. Wer diese Hilfe nicht braucht, kann es einfach in zwei Minuten abmontieren. Die Ohren gehen etwas schwer rein, sind sie mal drin, bleiben sie es in der Regel auch und wollen aktiv rausgepumpt werden.

Klapper sind relativ harmlos Ich habe einige Klapper simuliert. Macht man dabei nichts, geht der Schirm etwas auf die Nase, bevor er wieder öffnet. Einige Male wurde die Wiederöffnung durch ein vernehmliches "Schlapp" begleitet. Gegenklapper gab es keine. Der Schirm ist sehr leicht zu Stützen, wobei einem die deutlichen Steuerkräfte auch hier zugute kommen. Auch Grobmotoriker sollte hier keine Probleme haben.

Wingover gelingen leicht Die Spirale läßt sich erwartungsgemäß leicht einleiten. Die Sinkgeschwindigkeit kann sehr einfach reguliert werden. Beim Ausleiten neigt der Schirm nicht zum Aufrichten, so daß man die letzte Runde ohne Anstrengung nachdrücken kann. Man kann ihn in dem Moment sogar leicht wieder steiler reinstellen, was mit anderen Geräten Körpereinsatz und Fingerspitzengefühl erfordert. Vielleicht noch eine wichtige Information für Erst-Spiraler: Hände-hoch beendet die Spirale sofort, vielleicht schneller, als einem dann lieb ist, die Steigwerte danach sind jedenfalls phänomenal. Wingover und asymetrische Spiralen gelingen leicht, Ohrenklappen kommt dabei im Normalfall nicht vor.

Kompressionsband: leider zu kurz Nach dem Flugvergnügen kommt die Ordnung. Dazu liefert GIN GLIDERS den bewährten Packsack, mit vielen guten Details. Obwohl der Packsack sehr gut tragbar und sehr groß ist, läßt er sich sehr klein verpacken. Das ist besonders dann wertvoll, wenn das eigene Gurtzeug nicht über üppigen Stauraum verfügt. Auch ist der Packsack oben größer, wie unten, wodurch der Schwerpunkt günstiger zu liegen kommt, als bei konventionellen Packsäcken. Unpraktisch ist, daß das kleine Klarsichtfach, in das man Liftkarten und Scheine stecken kann, keinen Klettverschluß hat. So kann man es nicht benützen, weil die Papiere in einem unbemerkten Moment rausfallen können. Da würden sich die Kühe über Kraftfutter freuen, passierte einem das im Einer-Sessellift auf die Hochries. Unpraktisch auch, daß das Kompressionsband zu kurz ist. Die Länge reicht nur, wenn man den Schirm sehr eng packt und wer will schon seinen Edelflieger jedesmal so malträtieren.

Kurzgefaßt würde ich diesen Schirm so beschreiben: Ein präzise fliegbarer, wendiger, stabiler Schirm mit gutem Feedback.

Bei den Testflügen lag mein Startgewicht bei 98 kg. Das ist etwa im oberen Drittel des Gewichtsbereiches der Größe M, die von 85 - 105 kg reicht.

DHV-Testbericht Oasis M







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